Chemnitz, Wirkbau, Halle D
11.03. – 01.05.2019

Das berühmte Wort Adornos über die Unmöglichkeit des menschlichen Ausdrucks nach Auschwitz ist immer noch in unserem Bewusstsein. Es ist die Wahrheit über die Machtlosigkeit und Nutzlosigkeit des menschlichen Wortes, wenn das Schlimmste geschieht. Worte wie „es ist unbeschreiblich“ sind häufig zu hören, und „man ringt nach Worten“ ist ein hoffnungsloser Ringkampf. Trotz alledem sammeln sich die Worte von neuem. Vielleicht sammeln sie sich zu einem Damm, um neue Katastrophen zu stauen, Vielleicht war es auch ein Versuch, der in diesem Ausstellungsprojekt gemacht wurde, das Wort zu verlassen und Bild und Musik als Ausdrucksmittel zu benutzen.

Dafür haben Felger und Schönberg ihre Kunst eingesetzt. Es sind keine konkreten, dokumentarischen Bilder, es sind Brocken und Stücke aus dem Holocaust.

Siebzig Jahre sind nichts in der Geschichte, aber im menschlichen Leben sind Dinge, die vor siebzig Jahren geschahen, schon fast Archäologie. Daher die einzelnen Bruchteile, Stiefel, halbe Gesichter, Helme, Gewehrstücke, wie man sie bei Ausgrabungen zu Tage schafft. All dies Denkmäler im ursprünglichsten Sinne des Wortes: Ein Mal, das uns nicht nur erinnern macht, sondern auch denkend. Erinnern, erschüttern und denken: diese drei sollen einen Holocaust nie wieder kommen lassen.

Yehuda Amichai

Andreas Felger, Ein Überlebender aus Warschau V, 1986, Holzdruck auf Papier, 56,5 x 68 cm
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