Andreas Felger, Fukushima, 2011
Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, AF_Öl_11_0015
FUKUSHIMA
2011
OEL AUF LEINWAND
200 x 200 cm

 

Der Titel des Gemäldes verrät seinen politischen Bezug: Es entstand im Jahr 2011 als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe in Fukushima, die Tausende von Menschen das Leben kostete sowie massenhaft Obdachlosigkeit, Gesundheits- und Umweltschäden verursachte. Zwischen einer blutroten Wolke vor dunklem Himmel und explosionshellem Licht dominiert ein leuchtend roter Kreis die obere Bildmitte: atomares Zentrum, verdunkelte Sonne und mutiliertes Landesmotiv zugleich. Der schmale weiße Rand des Kreises schwebt wie das Überbleibsel einer zerfetzten und beschmutzten japanischen Flagge über dem Chaos des Desasters. Schraffuren in Rot- und Blautönen streben in alle Richtungen auseinander, zerreißen und überlagern sich, verschmelzen mit frei wütenden Pinselgesten. Ein Netz aus roten Tupfern wirkt über den Totenköpfen am Bildrand wie ein Gräberfeld. Die menschliche Existenz wird hier zur textilen Metapher – alles ist vernetzt und verwoben, auch Leben und Tod.

Gleichermaßen kritisch wie empathisch erfasst Felger in Fukushima den faktischen wie auch emotionalen Kern der lebensvernichtenden Katastrophe in seiner Bildsprache, ohne ihn direkt abzubilden. Das große Format verstärkt die eindrucksvolle Wirkung der Leinwand, in der sich formale Aspekte aus unterschiedlichen Werkphasen des Künstlers zu einer brisanten Einheit verdichten: Gestisches und Figuratives, geometrische und schraffierte Strukturen treffen explosiv aufeinander.

Text von Christina Thomson

Menü