Eine gelungene Premiere fand am Sonnabend, den 18. April im Heidelberger Theater statt: Marcel Kohler zeigte sein neustes Stück Auf der anderen Seite des Mondes mit Texten von Hilde Domin. Steffen Becker schrieb auf nachtkritik.de dazu:
„Die Verbindung zwischen Gestern-Heute-Morgen findet ihren Ausdruck auch im künstlerischen Cross-Over des Abends. Linn Reusse malt live am Tablet Motive, die aufs Bühnengeschehen projiziert werden. Diese greifen oft Elemente eines im späteren Verlauf enthüllten Theatervorhangs auf, den der Künstler Andreas Felger – ein Weggefährte Domins (…) – gestaltet hat.
Highlight des Abends ist die Vertonung der Gedichte durch Christoph Bernewitz. Auch das ein Drahtseilakt, der leicht daneben hätte gehen können. In „Auf der andern Seite des Monds“ begeistert jedoch der Damenchor der Oper musikalisch und agiert als Ausdruck der Vielstimmigkeit in Domins Lyrik wie er auch die Bedeutung ihrer Literatur nicht nur für die zeitgenössisch Betroffenen verkörpert.
(…)
In Heidelberg erlebt man so die Adoptiv-Tochter der Stadt tatsächlich mit allen Sinnen. Und hat nach zwei Stunden Spielzeit Lust, mehr über Hilde Domins Leben zu erfahren und in ihr Werk einzutauchen.“
Marcel Kohler ist es gelungen, in einer Kombination aus Musik-Theater, Artistik und einer Bühnen-Gestaltung mit dynamischen Kulissen einen ebenso erzählerischen wie poetisch-anschaulichen Zugang zu Domins Schriften zu herzustellen – bei dem Andreas Felgers im Wortsinn: Bühnen-Bild mehr als nur ein klassischer Vorhang am vorderen Bühnenrand oder bloßer Hintergrund ist. Im Gegenteil: Mit Projektionen, Licht und Schatten sowie physischer Bewegung des 11 x 22m großen Stoffs wird er buchstäblich zum Leben erweckt und so zum selbständigen Akteur im Zusammenspiel von Schauspielern, Objekten und Bühnen-Raum. Mit der feinen formbaren Fläche lässt sich besonders das Zarte, Leichte und Schwebende in der Dichtung Domins visualisieren, wodurch eine berückende Symthese der Medien Wort, Klang und Verbildlichung entsteht. Nach den Vor-Premieren des Theatervorhangs Andreas Felgers in der Bogenhalle der Mössinger PAUSA und dem Christus Pavillon im Kloster Volkenroda, hat er auf der Bühne des Heidelberger Theaters nun sein volles Potenzial entfalten können.
Theater und Orchester Heidelberg
Theaterstraße 10
69117 Heidelberg
