Ausstellung
Andreas Felger. Neue Werke
Galerie Horwarth, Reutlingen
24.9.–19.11.2022
Vor den Werken der Kunst dürfen und sollen wir uns frei fühlen und zugleich aus dem Reichtum visueller Erfahrung schöpfen, den sie für uns bereithalten. Und nach 70 Jahren Textilgestaltung und freier Kunst ist Andreas Felgers Gesamtwerk zu einer Größe gewachsen, die uns daran teilhaben lässt: dem an Möglichkeiten, Themen und Erprobungen reichen (Arbeits-)Leben des Künstlers. Kein Zweifel, diese Größe ist nicht nur mit Ideen oder Visionen zu erreichen, sondern auch und vor allem mit alltäglicher Arbeit, Suche und Beharrlichkeit im Handwerk, unbedingtem Festhalten am Ideal des Schöpferischen.
Dass die „Neuen Werke“ sich heute so glanzvoll und vielschichtig in der Galerie Horwarth zeigen, resultiert auch aus der Breite der Inhalte und Materialien, die Andreas Felger bearbeitet: Aquarelle, Gemälde und Skulpturen lassen uns Bezüge, Zusammenhänge und Widersprüche zwischen den Gattungen entdecken. Landschaften, Figurationen, Abstraktionen in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Verschmelzungen eröffnen jeweils eigene Zugänge zu diesem Bilderkosmos, der ein Konzentrat der Werke aus den jüngst vergangenen Jahren zeigt. Aufs Schönste wird in der Galerie vereint, was zugleich auch Ausgangspunkt für weiterführende Exkursionen sein könnte: Die kleinformatigen Skulpturen verweisen auf lebensgroße Figuren aus Holz und Metall und die noch ausgreifenderen Skulpturen im öffentlichen Raum. Die mit Blick auf die Alb entstandenen Blätter lassen an das frühe Wandbild Felgers im Mössinger Hallenbad denken, die Thematisierung des Kriegs Russlands gegen die Ukraine ruft Felgers Serie der Corona-Bilder in Erinnerung und die großformatigen Abstraktionen, deren Leinwände die räumlichen Grenzen der Galeriewände aufzeigen, rufen nach weiter gespannten Räumen wie zuletzt beim Einzug Felgerscher Werke in das Foyer des von Herzog de Meuron erbauten Firmensitzes von Canary Wharf in London.
So wie es viele Bezüge gibt, die aus der Galerie herausführen, werden viele Bezüge zwischen den Werken der aktuellen Ausstellung wahrnehmbar. Hervor tritt vor allem die besondere Farbtonalität der Bilder, die Auge und Geist aufhellt, die Wahrnehmung intensiviert und den Räumen einen zusammenhängenden Klang vermittelt. Kaum unterbrochen von einigen bewusst dissonanten Kompositionen erzeugt er harmonische Verhältnisse, die nicht nur die Räume erstrahlen, sondern auch etwas von der Lebensfreude und -zugewandtheit des Künstlers nachempfinden lassen.
