Andreas Felger, Ohne Titel, 2005
Aquarell auf Papier, 74 x 65 cm, © AFKS
Ohne Titel
2005
Aquarell auf Papier
74 x 65 cm

 

Ein Stück Sommer, Strahlkraft, Wärme, Weichheit, Intimität, Nähe, Liebesglut – eine Kraft und Intensität, die ihresgleichen sucht. Das Motiv sprang aus der Seite, rückte mir förmlich auf den Leib und strahlte in mein Herz: „Nimm mich!“ Ich konnte gar nicht umhin, es als meinen Favoriten zu wählen. Und als ich den Text dazu las, wurde mein Herz auf ein Weiteres überwältigt. (…)
„Und der Herr redete mit Mose und sprach: Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig der Herr, euer Gott.“ (3. Mose 19,2)
Man könnte zunächst auf die Idee kommen, die beiden Quader stünden für die beiden Gesetzestafeln, auf denen Gott seinem Volk die 10 Gebote darreichen lässt. Der Gott, der den Israeliten aus dem Feuer erschien, übermittelt durch seinen Freund Mose zwei feurig brennende Tontafeln. Glühend spiegeln sie seine lodernde Leidenschaft und sein unbändiges Streben nach Gerechtigkeit wider.
Mein Herz interpretiert anders, sieht den Sommer, riecht die Liebesglut, fühlt sich angezogen: In meinen Augen sind die beiden Vierecke Sinnbild für Mensch und Gott. Kein oben und unten. Gleichberechtigtes Nebeneinander. Keine kantigen Gebilde, die sich beharken, stoßen oder verletzten könnten. Weiche, aufgerichtete Formen, aneinandergelehnt. Klar erkennbar zwei – und doch schon bald eins werdend. Das Ganze wirkt stabil und unverrückbar, die beiden Formen stützen und halten sich innig. Es fließt zwischen den beiden. Und der Fluss nimmt kein Ende, wird nicht fertig. Zusammenatmen. Zusammenwirken. Zusammenleben.

Text von Eva Jung

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