Andreas Felger, Wegmarken I, 2020
Corten-Stahl, verzinkt und bemalt, 230 x 100 x 25 cm, © AFKS
Wegmarken I
2020
Metall, lackiert
230 x 100 x 25 cm

Es begann mit der Pausa Skulptur (vgl. Werk des Quartals 04.2019), die Andreas Felger für das denkmalgeschützte Areal der ehemaligen Pausa Textilfabrik in Mössingen entwarf und ebendort 2015 aufstellen ließ. Unverkennbar nimmt das nach oben offene Doppel-P der Komposition Bezug auf das P in „Pausa“ und für den Betrachter wird das mehrdeutige Verhältnis zwischen Linie (Grafik), Schrift und Skulptur sichtbar.

Die Idee für diese Skulptur hat den Künstler zu weiteren Entwürfen für den öffentlichen Raum in und um Mössingen inspiriert. Sie befinden sich an unterschiedlichen Standorten: Am Löwensteinplatz, einen Steinwurf von der Pausa Skulptur entfernt, andernorts im Stadtraum und auch an der kleinen Landstraße, die von Belsen, dem Wohnort Felgers, nach Bad Sebastiansweiler führt, wo sein Atelier beheimatet ist. Eine Gemeinsamkeit aller fünf Skulpturen: Sie stehen im Grünen, ihre Basis wird weitgehend von Gras verdeckt, was ihnen die Anmutung verleiht, sie seien dort wie Pflanzen emporgewachsen.

Tritt man näher an die abstrakten Metall-Skulpturen heran, öffnet sich im Wortsinn die zunächst geschlossen wirkende Form. Zwei parallel aufgestellte Platten erscheinen bildhaft und verhalten sich wie Vorder- und Hintergrund zueinander. Im Vordergrund sind lineare Formen ausgeschnitten, die den Blick auf den monochromen Hintergrund freigeben. Zwischen ihnen gestattet der Spiel-Raum es dem Licht einzufallen, Schatten zu werfen, von Linie auf Fläche, und Licht und Schatten beweglich zu halten, da die die Sonne, ‚wandert‘. Die beiden Flächen bilden einen Raum, der zugleich durchlässig und wohl definiert ist, Transparenz und skulpturale Form miteinander verbinden. Zugleich zeigen sie sich mit Mustern von geometrischer Regelmäßigkeit, die aus der Entfernung wieder auf die Pausa-Textilherstellung zurückverweisen, in deren Stoff-Repertoire sie ihren Ursprung haben. Andreas Felgers Bild-Künste – Zeichnung, Gemälde, Skulptur und Rauminstallation – verbinden sich zu einer ebenso subtilen wie elementaren Gesamtform.

von Marvin Altner

Abbildungen der gesamten Werkgruppe Wegmarken I–V folgen.