Rund um Tübingen

ANDREAS FELGER KUNST.STATIONEN

 

ST. BERNHARD KIRCHE DER EVANGELISCHEN
KIRCHENGEMEINDE
NECKARHAUSEN NÜRTINGEN

Details

Werke: 3 GLASFENSTER "GLAUBE", "LIEBE", "HOFFNUNG", 2001, Glas, je 240 x 60 cm | 4 PARAMENTE, 2001–2016, gewebter Stoff, je 153 x 66 cm

Glaube, Liebe und Hoffnung, die christlichen Kardinaltugenden, reichen weit über den einzelnen Menschen hinaus. Sie können einen geistigen Zusammenhang zwischen
irdischer und himmlischer Welt herstellen – eine Aufgabe, die im Innern von Kirchenräumen auch die den Betrachter weit überragenden Fenster erfüllen. Die Farben der Glasfenster erhalten ihre Strahlkraft vom natürlichen Licht, das seinerseits bildlich geformt wird, indem es durch die Fenster fällt. Licht und Werkinhalte gehen eine unmittelbare Synthese zwischen Natur und Kunst ein: Das eine spricht durch das andere. Die Farb- und Formsymbolik Andreas Felgers soll für jeden Kirchgänger verständlich sein: Der Dreiklang aus Blau, Rot und Grün entspricht der kirchlichen Darstellungstradition für die Trias aus Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Formen, Hochrechteck und Oval, nehmen die jeweils architektonisch gegebene Fensterform auf, sodass Bauwerk und Kunstwerk zur Einheit werden. Dies unterstreicht die Anordnung der Rechtecke in den äußeren Fenstern, die auf die symmetrische Platzierung der Fenstereinfassungen Bezug nimmt.

Thematisch stimmt diese Glasarbeit Felgers mit den gleichnamigen Holzreliefs im Primus-Truber-Gemeindehaus in Tübingen-Derendingen überein, doch die Charakteristika der Medien und ihre Raumwirkung sind gegensätzlich. Die massiven Holzplatten treten hervor und in Kontakt zum Betrachter, sie vermitteln zwischen Wand und Skulptur mit materieller Präsenz und zeigen eine hohe Farbintensität. Die Nürtinger Glasfenster hingegen wirken immateriell: Ihr architektonisch gerahmter, farbdurchdrungener Lichtraum betont das Transzendente in Liebe, Glaube und Hoffnung.

Autor: Marvin Altner

ST. BERNHARD KIRCHE DER EVANGELISCHEN
KIRCHENGEMEINDE NECKARHAUSEN NÜRTINGEN
Nürtinger Str. 8 | 72622 Nürtingen
Öffnungszeiten: Sonntag 10–11 Uhr und Di–Do nach Absprache mit dem Pfarramt,
T. 07022-959413

 

PRIMUS-TRUBER-GEMEINDEHAUS TÜBINGEN-DERENDINGEN

Details

Werke: 3 HOLZRELIEFS: GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG, 2001, Ölfarbe auf Holz, 290 x 40 x 7 cm (äußere Stelen), 300 x 60 x 7 cm (mittlere Stele) | KREUZ, 2001, Holz, 49 x 44 cm | ALTAR, 2001, Lackfarbe auf Holz, H 58 cm, Ø 1 40cm | LESEPULT, 2001, Lackfarbe auf Holz, 118 x 78 x 72 cm | 3 PARAMENTE, gewebter Stoff, violett: 2001, 116 x 40 cm, grün: 2002, 116 x 38,5 cm, w eiß: 2005, 116 x 40 cm | 2 ALTARLEUCHTER, Metall

An einer zentralen Wand des Primus-Truber-Gemeindehauses hängen – hoch aufragend und in ihrer Farbigkeit den Raum bestimmend – drei Holzreliefs von Andreas Felger. Für die elementaren, die göttlichen Tugenden – Glaube, Liebe und Hoffnung – steht eine elementare künstlerische Form. Die drei Platten entsprechen einander in Material, Bearbeitung und leuchtender Farbwirkung, als seien sie Teile eines einzigen Stamms. Sie sind angeordnet wie ein Triptychon mit größerem Mittelteil und symmetrischen Seitenflügeln. Das Symbol der Liebe steht überragend im Zentrum und lässt sich so als direkte Bezugnahme auf den ersten Korintherbrief lesen: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“. (1 Kor 13,13 EU) Jede der Tugenden ist in einem anderen Formenvokabular dargestellt. Auf die Hoffnung verweist die Dynamik der Linien natürlichen Wachstums und Lebensflusses. Der Glaube zeigt sich als schmales Rechteck, das sich (so der Künstler) darauf bezieht, dass der christliche Glaube seinen Weg nur durch die Tür Jesus Christus findet: „Ich bin die Tür“. Die Liebe wird in Form eines Kreuzes dargestellt, das einem goldenen Kreis eingeschrieben ist. Die massiven Hölzer haben unregelmäßige Kanten, Absätze und Einschnitte, welche die Symmetrie der Komposition relativieren. Die vielen Einkerbungen lassen den Betrachter an das Kreuz des christlichen Martyriums denken. Andreas Felgers Reliefwerk korrespondiert so mit dem kleinen hellen Kreuz auf dem Altartisch, das mit seinen Kerben, einer geteilten Ovalform und einem goldenen Kreis
die Bildzeichen von Glaube, Liebe und Hoffnung wieder aufnimmt.

Autor: Marvin Altner

PRIMUS-TRUBER-GEMEINDEHAUS TÜBINGEN-DERENDINGEN
Sieben-Höfe-Str. 125 | 72072 Tübingen-Derendingen
Öffnungszeiten: Di–So bei Gemeinde veranstaltungen,
So 9–10 Uhr Gott esdienst (außer in den Sc hulferien)

 

GEMEINDEHAUS DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE HAGELLOCH
TÜBINGEN

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Werke: GLASFENSTER: BROTVERMEHRUNG, 1986, Glas, 220 x 65 cm | 5 HOLZDRUCKE: "GLEICHNISSE" (GLEICHNIS VOM FISCHERNETZ, 4FACHES ACKERFELD, GLEICHNIS VON DER PERLE, SCHATZ IM ACKER, SENFKORNBAUM), 1984, Holzschnitt, je ca. 100 x 70 cm

Wie ein Netz liegen die Bleiruten des Glasfensters Brotvermehrung in der Komposition aus Fischen und Broten, Wasser und Licht. Von unten nach oben betrachtet wird die Darstellung sukzessive heller: Sie setzt mit tiefem Blau ein und lichtet sich zur Bildmitte in Ockerfarben auf, die am Himmel in das Weiß reinen gläsernen Lichts übergehen. Die Farben der Sonnenränder korrespondieren mit denen der runden Brote. Es liegt nahe, daran zu denken, dass das Getreide, aus dem sie bestehen, mit der Kraft der Sonne gewachsen ist und dass Brot und Sonne gleichermaßen dem Menschen Energie zum Leben geben. Die Trennung von oberer und unterer Bildhälfte in die Elemente des Wassers und der Luft wird durch die nach rechts versetzte Sonne aufgehoben. Von ihr aus führt eine Lichtlinie in leichtem Zickzack bis tief hinunter zu den Fischen, so weit, dass zwischen Licht und reflektierendem Fischleib nicht mehr unterschieden werden kann. Kompositorisch entsteht im Zentrum des Werks eine Kreuzform, die in die vielschichtige Figurenwelt eingelagert ist und sich daher erst auf den zweiten Blick erschließt. Je genauer der Betrachter den Linien folgt, desto mehr Bezüge wird er zwischen den einzelnen Glasformen und den Bildgegenständen insgesamt erkennen können.
Das Wunder Jesu von der Brotvermehrung, die am See Genezareth Tausenden Nahrung spendete, lässt sich zusammendenken mit einem Glaskunstwerk, das umso mehr zu sehen gibt, je länger man schaut. Es nimmt damit auf den Gläubigen Bezug, dessen Glaube wachsen kann, je länger er währt.

Autor: Marvin Altner

GEMEINDEHAUS DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE HAGELLOCH, TÜBINGEN
Wahlhau 10/3 | 72070 Tübingen
Öffnungszeiten: Pfingstsonntag bis Erntedank, So 10–18 Uhr

 

EVANGELISCHE DIAKONIESCHWESTERNSCHAFT
HERRENBERG KORNTAL E.V.

NIKOLAUSSTIFT
DECKENPFRONN

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Werke, MUTTERHAUSKIRCHE: 3 GLASFENSTER: "GLAUBE", "LIEBE", "HOFFNUNG", 1997, Glas, je 116 x 25 cm | 3 GLASFENSTER: "SALBUNG JESU", 550 x 78 cm | "JESUS MIT MARIA UND MARTHA", 600 x 62 cm | "HOCHZEIT ZU KANA", 550 x 58 cm, jeweils 1997, Glas

NIKOLAUS-STIFT: HOLZRELIEF, "OSTERN", 2008, Ölfarbe auf Holz, 245 x 100 cm | GLASFENSTER (dreiteilig): "Nikolaus", 2008, Glas, bemalt, 230 x 195 cm, ANDREAS FELGER RAUM, 1. OG: KREUZ, 2008, Ölfarbe auf Holz, 137 x 145 cm

Die Atmosphäre im Innenraum der Herrenberger Mutterhauskirche wird von den Glasfenstern Andreas Felgers bestimmt. Bis zu sechs Meter ragen die schlanken Scheiben rechts und links vom Altartisch empor. Auf der rechten Seite werden sie flankiert von drei kleinen Fenstern, die in der Gemeinde als Christus-Fenster bezeichnet werden, und deren klare, reduzierte Formgebung die vielstimmigen hohen Glasarbeiten kontrastieren. Dem Farbklang aus Blau, Rot und Grün ist jeweils eine Kreis-, Mandorla- und Kelchform zugeordnet. Brot, Licht und Weinkelch beziehen sich auf drei der „Ich bin“-Worte im Johannes-Evangelium: „Ich bin das Brot des Lebens“, „Ich bin das Licht der Welt“, „Ich bin der wahre Weinstock“.

Formal und farblich zeigen sich Verbindungen zwischen den Kompositionen. Obgleich markant schwarz gerahmt und von den Fensternischen getrennt, greifen die Glasbilder in ihren Strukturen ineinander und bilden gestalterisch eine Gemeinschaft, die sich auch metaphorisch lesen lässt: Der Glaube und die Glaubensgemeinschaft zeigen sich als lebendige Einheit des Unterschiedenen.

Die extremen Hochformate der Glasfenster Salbung Jesu, Jesus mit Maria und Martha sowie die Hochzeit zu Kana lassen sich von unten nach oben oder in der Gegenrichtung lesen. Ebenso kann man sie aber auch in Einzelbildern betrachten. Da ihre Details nicht auf einen Blick erfassbar sind, durchläuft der Betrachter einen Prozess des Zusammensetzens der über- und untereinander gesetzten Fensterteile – wie bei einer asiatischen Bildrolle oder einem story board. Das Bildrepertoire Felgers, das oft landschaftlich angelegt ist, also den Bildraum horizontal gliedert, ist in diesem Format besonders sinnfällig, weil die Kompositionen innerhalb der Vertikale waagerecht geschichtet sind. Licht und Wasser fließen in hellen Strahlen und Wellen hinab in dunkle Sedimente. Die hierarchisch gegliederte Welt der biblischen Geschichten, in denen oben und unten, Himmel und Erde, göttliches Heil und menschliche Abgründe polarisiert werden, wird unmittelbar anschaulich.

Wie viel Deutungsspielraum Felger dem Betrachter gibt, wird etwa am Beispiel der Gefäße deutlich, auf die blau-weißliche Linienwellen hinabströmen: Die abstrahierten Formen lassen offen, ob sie auf die Verwandlung von Wasser in Wein im Johannes-Evangelium bei der Hochzeit zu Kana anspielen oder eine allgemeine Metapher für die reinigende und lebenserhaltende Kraft des Wassers darstellen, das der Himmel freigibt. Sie werden bekrönt von einem unregelmäßigen Quadrat, in das zwölf weitere, annähernd quadratische Felder eingeschrieben sind, von denen wiederum sieben farblich hervorgehoben sind. Der Vergleich mit anderen Werken des Künstlers bestätigt die Vermutung, dass durch sie die Vorstellung von den zwölf Lebensbäumen der heiligen Stadt Jerusalem in der Offenbarung des Johannes aufgerufen werden soll. Dies sind Bäume, die zwölf Mal im Jahr Früchte tragen. Die Zahl sieben könnte auf die göttliche Trinität zusammen mit den vier irdischen Elementen verweisen.

Auch im Nikolaus-Stift in Deckenpfronn gibt es neben dem Andreas-Felger-Raum und einem großformatigen Holzrelief ein dreiteiliges Glasfenster. Sein Titel nennt den Namenspatron des Stifts. Der heilige Nikolaus tritt nicht figürlich auf, aber
das weiße Kreuz auf der Mütze und der Bischofsstab im rechten Bildteil verweisen
auf ihn. Der brauntonige Hintergrund verbindet das Kreuz mit den Gefäßen unten rechts, welche auf das biblische Gleichnis vom „Schatz im Acker“ verweisen könnten. Der Schatz, Symbol des Glaubens, lässt alles irdische Gut unwichtig werden.

Im mittleren Fenster sammeln sich weitere Symbole: das Wasser der Taufe, der siebenarmige Leuchter, die Sanduhr, die geometrischen Felder als Zeichen weltlicher
Ordnung. Sie alle sind eng zusammengefasst in der abstrahierten Form eines Fischs. Unterhalb des Leuchters stellt sich ein geteilter Kreis als Brotlaib dar. Gemeinsam verweisen Fisch und Brot auf das in den Evangelien beschriebene Wunder der Brotvermehrung, die Speisung der 4000 am See Genezareth.

Die von Mondlicht beschienene Szene, in der zwischen Luft und Wasser kaumunterschieden werden kann, zeigt im linken Bildteil nur noch Spuren. Es handelt sich laut Andreas Felger um die seit langem vernarbten Wunden, die Stadt und Menschen erlitten, als kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs ein großer Teil Deckenpfronns bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Unter den zerbombten Gebäuden befand sich auch die Nikolauskirche, die 1953 wieder aufgebaut wurde. Diesen Hinweis gibt der Künstler in seinem Glasbild nur als Andeutung. Er will die Geschichte nicht heraufbeschwören, sondern den Akzent seines Rückbezugs im Sinne von Vergebung verstanden wissen: „Alles ist zugedeckt, kein Hass mehr, kein Nachtragen“.

Autor: Marvin Altner

EVANGELISCHE DIAKONIESCHWESTERNSCHAFT
HERRENBERGKORNTAL E.V.
MUTTERHAUSKIRCHE: Hildrizhauserstr. 29 | 71083 Herrenberg
Öffnungszeiten: Mo–Fr 7–18 Uhr, Sa 8–16 Uhr,
So 8.30–14.30 Uhr

DECKENPFRONN
NIKOLAUS-STIFT: Herrenberger Straße 8 | 75392 Deckenpfronn
Öffnungszeiten: Mo–Fr 7–18 Uhr, Sa 8–16 Uhr,
So 8.30–14.30 Uhr

 

PELAGIUSKIRCHE
NUFRINGEN

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Werk: HOLZRELIEF, "LANDSCHAFT DES LEBENS", 1995, Ölfarbe auf Holz, 1 90 x 85 cm

Das Holzrelief Landschaft des Lebens in der Nufringer Pelagiuskirche ist in der heutigen Hängung direkt auf das Taufbecken bezogen, das vor ihm auf dem Boden steht. Es ist eine schöne und erfüllende Vorstellung, das Wasser aus dem Bilde könne direkt nach unten in das Becken fließen. Auch aus den Materialien, Holz und Stein, spricht Übereinstimmung. Beide sind in einfachen, klaren Formen gearbeitet, denen man die Bearbeitung mit Werkzeugen noch ansieht. Während der Taufe, die zugleich Reinigung darstellt und Aufnahme des Einzelnen in die Gemeinschaft der Gläubigen, wird das Wasser real und im übertragenen Sinn eingesetzt. So zeigt es auch Felger: als Leben spendendes Element für Pflanze, Tier und Mensch im biologischen, vor allem aber auch im geistigen, christlichen Sinn. Darauf verweisen die mit feinen Linien gravierte Kreuzesform inmitten der Quelle des Wassers ebenso wie die zwei ungleich großen, aber miteinander verbundenen Hälften einer auf der Spitze stehenden Mandorla. Die Mandorla wurde in der Kunst der Romanik oft als Aura und damit Ausweis von Heiligkeit von Christus-Darstellungen eingesetzt. Die mittelalterliche Darstellung des Gottvaters, der in einer ovalförmigen Lichtaureole erscheint, „Majestas Domini“, wird in der Landschaft des Lebens ausgespart, die Mandorla steht für sich. Ihre Goldflächen, das Licht, das sie ausstrahlt, und das Wasser, das ihr entspringt, ergeben ein Glaubensbild, das sich auf die Kräfte der Schöpfung beruft. Die Farben und Formen des Bildes sind weich und kraftvoll, seine Linien so unregelmäßig wie die Wege, die sich Wasser im Gestein sucht. Das menschliche Auge lässt sich gern von ihnen führen, denn sie entsprechen unseren Lebenswegen, die selten geradlinig sind, aber Anlass geben, einen tiefer liegenden Ursprung und ein übergeordnetes Ziel zu suchen.

Autor: Marvin Altner

PELAGIUSKIRCHE NUFRINGEN
Kirchgasse 10 | 71154 Nufringen
Öffnungszeiten: So 10–ca. 18 Uhr

 

EVANGELISCHE KIRCHE ERZGRUBE SEEWALD

Details

Werk: DREITEILIGES FENSTER, "AUFERSTEHUNG", 1981, Glas, je 203 x 56 cm

Vor dem Hintergrund des weiten Landschaftspanoramas mit der Nagoldtalsperre und den Wäldern, die sie einrahmen, fällt der Blick beim Betreten der Kirche Erzgrube unmittelbar auf den erkerartigen Chorraum, in den Andreas Felgers dreiteiliges Fensterbild des Auferstandenen eingepasst ist. Die Strahlen, Bögen und Flächen aus farbigem Glas und Bleiruten erzeugen ein Zusammenspiel von faszinierender Komplexität. So wird es jedem Besucher leicht fallen, die Schönheit der Landschaft, das exponierte Kirchlein und die in den Innenraum harmonisch eingefügte Glasfenster-Gestaltung in ihrer Übereinstimmung zu bewundern. Wie von selbst stellt sich dabei das Bewusstsein für die verschiedenen Räumlichkeiten ein, in denen Glaskunst, Architektur und Landschaftsraum korrespondieren.

Das Geflecht der Linien, das sich besonders deutlich von der Außenseite des Gebäudes erkennen lässt, bildet eine offene, asymmetrische Ovalform, die den Auferstandenen einfasst. Im rechten Fenster ist der konvexe Bogen etwas weiter nach außen geführt, sodass der Eindruck einer räumlichen Erweiterung der Bildfläche
und einer sanften Dynamik entsteht, die den Schwebenden an den Linien himmelwärts zieht. Gehalten wird die Komposition oben und unten von zwei konkaven Bögen, von denen der untere die Fußgelenke überschneidet, der obere Arme und Hände nach oben führt. Die zentrale Christus-Gestalt besteht ihrerseits aus gewölbten Linien, die schwungvoll nach oben führen, bekrönt von einer gelbgoldenen Aureole, deren Strahlen an den Körperkonturen und Fensterrändern fortgesetzt werden. Besonders deutlich hebt sich das Rot der Seitenwunde Jesu und der Wundmale an Händen und Füßen von den anderen Glasfarben ab. Als Symbole von Verletzung und Erlösung sind diese Male die zentralen Bedeutungsträger der erhebenden Lichtgestalt.

Idealtypisch sind die drei Fenster durch die zentrale Figur der Auferstehung miteinander
verbunden. Obwohl die Rahmen die Fenster markant durchschneiden, lässt sich das Werk mit Leichtigkeit als ein Ganzes wahrnehmen. Einerseits gelingt Andreas Felger diese Synthese durch das dynamische Liniengespinst, das einzelne Formkonturen mühelos über die Fensterteilungen hinwegführt. Andererseits werden rechts und links an den äußeren Rändern auch zwei schmale vertikale Verstrebungen wirksam, die als innere Rahmungen der Komposition Halt bieten, den Schwung der gebogenen Linien aufnehmen und das Auge auf die Bildgrenzen vorbereiten. Eine ähnliche Funktion haben die dunkleren Glasfarben am unteren Bildrand, die als Fundament der Komposition zwischen dem Holzton des Fensterbretts und den helleren Glasscheiben vermitteln. Der innerbildliche irdische Grund, über den der Auferstandene sich erhebt, führt so auch hinab in den realen irdischen Raum der Kirche, in welcher der Betrachter steht und sich – erfüllt von diesem Zusammenspiel aus Licht, Farbe, Form und Raum – schließlich doch abwenden muss, um wieder in die Welt hinauszutreten.

Autor: Marvin Altner

EVANGELISCHE KIRCHE ERZGRUBE SEEWALD
Panoramastr. 3 | 72297 Seewald
Öffnungszeiten: Sa–So, Mo–F r
Schlüssel im Hot el Bären (neben der Kir che)

 

EVANGELISCHE STADTKIRCHE ROSENFELD

Details

Werke: KIRCHE: GEMÄLDE: "AUFERSTEHUNG", 2014, Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm

GEMEINDEHAUS: 4 HOLZSCHNITTE: "AUF DEM WEG NACH EMMAUS", "HERR BLEIBE BEI UNS", "BROT BRECHEN", "SENDUNG", 1988, Holzdruck auf Papier, je 120 x 80 cm | KREUZ, 1996, Holz, 60 x 55 cm

Zwischen Andreas Felgers Ölgemälde in der Rosenfelder Stadtkirche zur Auferstehung und seinen vier Holzschnitten zum Gang nach Emmaus liegen 26 Jahre – dementsprechend unterschiedlich sind ihre jeweiligen Bildsprachen. Und doch bilden sie eine thematische Einheit. In den großformatigen Holzschnitten wird die Emmaus-Erzählung in vier Stationen verbildlicht: Der Aufbruch der Jünger zum Dorf, begleitet von Jesus, der sich unerkannt zu ihnen gesellt, wird gefolgt von ihrer Bitte an ihn, nach der Ankunft zu bleiben. Am Brechen des Brotes wird Jesus von den Jüngern erkannt, die daraufhin den Weg zurück nach Jerusalem antreten, um die Auferstehung und Heilsgeschichte zu verkünden. Auf den ersten drei Blättern wird die vereinzelte Gestalt Jesu zu der Doppelfigur der Jünger in Bezug gesetzt. Dadurch weiß der Betrachter um die unsichtbare Anwesenheit des Heilands im Bild der Jünger auf dem Rückweg.
Die Fähigkeit, eine spirituelle Präsenz darzustellen, ohne sie abzubilden, äußert sich noch radikaler im Spätwerk Andreas Felgers, vor allem in der Ölmalerei. An seinem 2014 entstandenen Gemälde Auferstehung wird dies deutlich: Die kantigdynamische Gliederung der Leinwandfläche mit einer graduellen Verwandlung von Finsternis (Tod) in Licht (Leben des/durch den Auferstandenen) lädt den Bildraum suggestiv auf und animiert dazu, die Bewegung visuell mitzuvollziehen. Wie in dem Holzschnitt Sendung ist der Auferstandene nicht (mehr) zu sehen – die Position der Jünger wird vor dem Ölbild aber durch die Betrachter eingenommen: Sie sind es nun, die nach dem richtigen Weg suchen.

Autor: Marvin Altner

EVANGELISCHE STADTKIRCHE ROSENFELD
KIRCHE: Mömpelgardgasse 28 | 72348 Rosenfeld
Öffnungszeiten: täglich 10–17 Uhr
GEMEINDEHAUS: Mömpelgardgasse 26 | 72348 Rosenfeld
Öffnungszeiten: nach Absprache (T. 07428-8761)

 

AUSSEGNUNGSHALLE
FRIEDHOF DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE
MÄHRINGEN

DETAILS

WERK: Holzrelief, ohne Titel, 2000, Ölfarbe auf Holz, 150 x 130 x 10 cm

AUSSEGNUNGSHALLE
FRIEDHOF DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE MÄHRINGEN
Friedensweg
72127 Kusterdingen-Mähringen
Öffnungszeiten: nach Absprache
T: 07071-32681

 

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE
OPPENAU/BAD PETERSTAL GRIESBACH

DETAILS

WERKE: 2 Glasfenster:

ohne Titel, Glas, 2002, 500 x 400 cm
Rundes Glasfenster, ohne Titel, Glas, Ø 100 cm

Evangelische Kirchengemeinde Oppenau/ Bad Peterstal Griesbach
Öffnungszeiten: täglich 9-16 Uhr